Marketing für Industrie 4.0

Inspiriert von Christoph G. Schmutz NZZ 24.5.2016

Qualität von Inhalten
Unternehmen wissen heute so viel wie nie zuvor über uns als Kunden. Sie können Werbebotschaften massschneidern. Doch das reicht nicht, um die Konsumenten in der digitalen Welt zu gewinnen. Die Flut digitaler Werbung und die Unmengen verschickter Malware mit immer neuen Tricks um an unsere Daten zu gelangen führen oft zu einem unerwünschten Abbruch in der Kommunikation.

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Bibliothek Trinity College, Dublin

Kontakte brauchen Zeit
Dank Internet, Smartphone und der hinterlassenen Datenspur können Firmen wissen, wo wir als Konsumenten sind, was wir gemacht haben, und sie können Vermutungen anstellen, was wir noch tun werden. Was im «Verkauf» durchaus sinnvoll ist, bedingt bei Dienstleistungsangeboten andere Herangehensweisen. Wir können (noch) nicht voraussehen ob jemand einen Rechts- oder Finanzbeistand braucht und wann ein Geschäftsleiter Unterstützung braucht. Da genügt das Aufschalten einer Webseite oder der Versand einer Massenmail (Newsletter) nicht unbedingt. In solchen Fällen greifen die Betroffenen lieber auf persönliche Netzwerke zurück. Organisationen und bekannte «Marken» haben bei der Suche nach Informationen eindeutig Vorteile.

Vertrauen schaffen
Mit klar verständlichen Themen über aktuelle Entwicklungen gewinnen wir das Vertrauen potenzieller Mandanten. Schliesslich lässt sich die Relevanz verbessern. Kunden sollen Botschaften und Dienstleistungen erhalten, die in ihrem Leben Sinn ergeben und nützlich sind, und nicht mit dümmlichem, nutzlosem Müll bombardiert werden. Werbung muss in der digitalen Welt zwingend einen Nutzen haben, sonst lohnt sich der Aufwand nicht. Werbung für eine Dienstleistung soll die Aufmerksamkeit möglicher Kunden mit wertvoller Information gewinnen. Eine «Marke» sollte wie ein Freund sein und nicht wie ein Unternehmen, das etwas zu verkaufen versucht. Die Herausforderung für Dienstleister in der digitalen Welt ist so gesehen, den Kunden mit ihrer Kommunikation nicht zu nerven, sondern ihn von der überlegenen Qualität eines Produktes zu überzeugen.

Der Kunde ist König
Die Digitalisierung hat die Kunden allmächtig und allwissend gemacht. Das schränkt die Möglichkeiten von Anbietern ein, ihre Botschaften an die Zielgruppen zu richten. Mittels technischer Mittel den Leuten unerwünschte Informationen aufzunötigen ist nervig. Relevante Inhalte und offene, unaufdringliche Kommunikation sind Möglichkeiten eine «Marke» zu festigen. Wie bei der Mund zu Mund Propaganda sind digitale Weiterempfehlungen in den sozialen Medien oder das Weiterleiten von Newslettern wichtige Beschleuniger. All dies braucht Zeit um das Vertrauen zu schaffen. Wichtigster Bestandteil bleibt jedoch die Qualität der Inhalte.

Beratung
Dieses Potenzial gilt es zielgerichtet zu unterstützen, auch wenn der Erfolg auf Anhieb nicht immer gegeben ist. Die Beratung von Startups ist auch eine Aufgabe der älteren Generation ohne persönlichen oder finanziellen Leistungsdruck. Mentoring oder Coaching eines Teams hilft Visionen zu schärfen, Vertrauen aufzubauen und aus einem breiten Erfahrungsspektrum Situationen neutral bewerten. Das Machbare muss im Vordergrund stehen, positives Denken und Freude am Erreichbaren muss den vielen Zauderern und Besserwissern entgegenhalten.

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Daten als Innovationstreiber

Quelle auszugsweise: Daniel Gerny, NZZ 16.5.2016

Beliebig teilbar und beliebig anwendbar
Daten sind der Innovationstreiber des 21. Jahrhunderts, eine neue Form von Infrastruktur, welche die Wirtschaft befeuert und den Wettbewerb befördert. Sie sind beliebig teilbar und beliebig anwendbar. Es ist die Geschäftsidee der Weltkonzerne wie Google, Apple und Facebook. Sie setzen mit Daten Milliarden um.

Auch in der Schweiz setzt sich die Erkenntnis durch, dass Daten, die unzugänglich auf den Servern liegen, ungenutzte Reserven darstellen. Seit kurzem haben deshalb die Behörden dieses Potenzial entdeckt. Sukzessive werden neue Datensätze veröffentlicht. Ziel ist ein internationaler Spitzenrang. Der Bundesrat will die führende Stellung der Schweiz in der globalen Informationswirtschaft stärken. (Ähnliches haben wir doch schon im Zusammenhang mit der besten Armee der Welt gehört?)

Bund ortet Potenzial
«Die Publikation und Bereitstellung von Behördendaten birgt ein grosses Potenzial, das bis dato in der Schweiz nur teilweise ausgeschöpft worden ist» schrieb der Bundesrat zum Thema im April 2014. Notwendig sei eine eigentliche «Open-Data-Kultur».

■ Offene Daten erlauben privaten Unternehmen die Entwicklung neuer Informationsdienstleistungen, wodurch die Lebensqualität verbessert werde. Sie ermöglichen zudem neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entwicklung der Schweiz.

■ Offene Daten fördern generell die Transparenz. Bürgerinnen und Bürger, Parteien und Medien erhalten einen besseren Einblick in die Tätigkeit von Regierung und Verwaltung und können dadurch ihre politische Rolle und ihre gesellschaftliche Verantwortung kompetenter wahrnehmen.

■ Offene Daten erhöhen die Effizienz der Verwaltung. Behörden können ihre eigenen Daten über politische und organisatorische Grenzen hinweg besser nutzen und die Datenqualität dank den Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer sukzessive verbessern.

Niemand häuft so viele Daten an wie die Verwaltung
Dazu wurde im Februar 2016 eine vom Bundesarchiv betriebene Plattform aufgeschaltet. Dort findet man bereits einige Anwendungen, auch spielerische wie den «Dichtestressomat» der anzeigt, wie viele Einwohner die Schweiz hätte, wenn die Dichte landesweit den Wert einer bestimmten Gemeinde aufweisen würde.

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Die öffentliche Hand und ihre ausgelagerten Betriebe verfügen über Unmengen an Informationen, Statistiken, Tabellen, Katasterpläne. Fortlaufend werden neue Angaben erhoben und abgespeichert, ohne dass das schlummernde Potenzial auch nur annähernd ausgeschöpft wird. Ein Fehler, findet André Golliez, Präsident von Open Data. Denn das Wissen einer Gesellschaft, die offenen Zugang zu ihren Daten gewähre, wachse. Ihre Entwicklungsfähigkeit nehme zu. Aussenstehende wissen mit den Bits und Bytes oft mehr anzufangen als die Ersteller der Datenbanken selbst.

Ein einziger Fingerwisch
Um an einem kleinen Beispiel zu demonstrieren, was es damit auf sich hat, öffnet Golliez auf seinem Smartphone eine App, die das Suchen von Verbindungen des öffentlichen Verkehrs wesentlich einfacher macht. Es genügt, mit dem Zeigefinger eine einzige Linie zwischen zwei Punkten auf dem Bildschirm zu ziehen, um so innerhalb eines Sekundenbruchteils die Angaben für jede gewünschte Fahrt zwischen zwei Stationen innerhalb der Schweiz zu erhalten. Es ist eine kleine Erfindung, basierend bloss auf Fahrplandaten und einer cleveren Idee, die dem Erfinder zu Einnahmen verhilft und dem Nutzer das Leben vereinfacht. Das Beispiel zeigt wie private Unternehmer aus der Technologie viel mehr rausholen als der träge Staatsbetrieb.

«Service Public»
Was also wäre möglich, wenn sämtliche nicht personenorientierten Gesundheits-, Forschungs-, Geo-, Wirtschafts-, Steuer-, Adress-, Wetter-, Arbeitsmarkt-, Verkehrs- oder Umweltdaten frei nutz- und zu beliebigen Zwecken verknüpfbar wären? Es ist schwer, zu beziffern, welche wirtschaftliche Kraft von Open Data wirklich ausgeht. Vor allem ergäben sich daraus wirklicher «Service Public». Den ersten Entwicklungsschub auf diesem Gebiet habe die Schweiz verpasst, sagt der Zürcher Ständerat Ruedi Noser (fdp.) warnend – doch die zweite Halbzeit läuft: «Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, dessen Ausmass und Folgen wir nicht kennen», meint der ICT-Unternehmer: «Wir sollten uns diese Chance nicht entgehen lassen.»

Bei den Bauern hat der Prozess bereits eingesetzt
Durch einen offenen Zugang zu den Datenbanken können ganze Wirtschaftsbereiche umgepflügt werden. Climate Corporation wurde als Startup 2006 von zwei Google-Ingenieuren gegründet und vor zweieinhalb Jahren von Monsanto übernommen. Das Geschäft der jungen Firma sind Daten – Wetterdaten, Informationen über Böden, Erntestatistiken. Diese werden von Climate Corporation so verknüpft und ausgewertet, dass sich daraus orts- und witterungsabhängige Handlungsanleitungen für die Bauern ableiten lassen. Der Effizienzgewinn ist enorm. Der Düngemitteleinsatz sinkt, die wetterbedingten Ernteausfälle verringern sich – die Marge für die Landwirtschaftsbetriebe steigt. Damit bewegt sich Monsanto weg vom blossen Verkäufer von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln hin zu einem Anbieter integraler Lösungen für Bauern auf der ganzen Welt. Die Daten kommen überdies zu einem grossen Teil vom Staat oder sind öffentlich zugänglich. Innovativ ist lediglich deren Verknüpfung.

Chancen nutzen
Dieses Potenzial gilt es zielgerichtet zu unterstützen, auch wenn der Erfolg auf Anhieb nicht immer gegeben ist. Die Beratung von Startups ist auch eine Aufgabe der älteren Generation ohne persönlichen oder finanziellen Leistungsdruck. Mentoring oder Coaching eines Teams hilft Visionen zu schärfen, Vertrauen aufzubauen und aus einem breiten Erfahrungsspektrum Situationen neutral bewerten. Das Machbare muss im Vordergrund stehen, positives Denken und Freude am Erreichbaren muss den vielen Zauderern und Besserwissern entgegenhalten.

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